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RE: Das Sonett, die Regeln

in Das Sonett 15.04.2010 23:51
von HaraldHerrmann | 5.338 Beiträge

Wir schreiben hier das Sonett in der vorgegebenen Form, wer andere Formen bevorzugt, sollte deren Regeln kundtun.

Ein Sonett besteht aus 14 metrisch gegliederten Verszeilen, die in der italienischen Originalform in vier kurze Strophen eingeteilt sind: zwei Quartette und zwei sich daran anschließende Terzette.

Die einzelnen Verse (Zeilen) des italienischen Sonetts sind Endecasillabi (Elfsilbler) mit meist weiblicher Kadenz. Dem entspricht im Deutschen der fünfhebige Jambus, dessen Kadenz weiblich (11 Silben) oder männlich (10 Silben) sein kann.

In der spanischen und portugiesischen Lyrik wurde das Sonett im Ganzen nach italienischem Vorbild übernommen.

In der französischen Klassik und in der ersten Rezeptionsphase in Deutschland während der Barockzeit war das bevorzugte Versmaß der Alexandriner, ein sechshebiger Vers mit Zäsur in der Mitte, der Dramenvers der französischen Klassik.

In die englische Literatur hielt das Sonett Einzug im 16. Jahrhundert. Sehr schnell wurde die Form geändert: Drei Quartette führen zu einem zweizeiligen heroic couplet; das Versmaß war der jambische Pentameter mit weiblicher oder männlicher Kadenz. Das englische Sonett wurde auch als „Shakespeare-Sonett“ nach seinem bedeutendsten Vertreter bekannt.

Auch in Deutschland gilt der jambische Pentameter seit A. W. Schlegel als Idealform mit männlicher (stumpfer) oder weiblicher (klingender) Kadenz und dem Reimschema

abba – abba – cdc – dcd
oder

abba – cddc – eef – ggf
In den beiden Terzetten kamen jedoch zu allen Zeiten viele Varianten vor, z. B.

abba – abba – ccd – eed
abba – abba – cde – cde
abba – abba – ccd – dee
abba – abba – cde – ecd
Das englische Sonett reimte

abab – cdcd – efef – gg

Dazu noch dies:

Ideale inhaltliche Strukturierungen sind:

im italienischen Sonett:

These im 1. Quartett
Antithese im 2. Quartett
Synthese in den Terzetten

alternativ ebenfalls im italienischen Sonett:

These in den Quartetten
Antithese in den Terzetten

im englischen Sonett:

These in den ersten beiden Quartetten
Antithese im dritten Quartett
aphorismusartige Synthese im Couplet

Dazu als Anschauungsgedicht:

Heinrich Heine, Im tollen Wahn

„Im tollen Wahn hatt' ich dich einst verlassen,
Ich wollte gehn die ganze Welt zu Ende,
Und wollte sehn ob ich die Liebe fände,
Um liebevoll die Liebe zu umfassen.

Die Liebe suchte ich auf allen Gassen,
Vor jeder Thüre streckt' ich aus die Hände,
Und bettelte um gringe Liebesspende, –
Doch lachend gab man mir nur kaltes Hassen.

Und immer irrte ich nach Liebe, immer
Nach Liebe, doch die Liebe fand ich nimmer,
Und kehrte um nach Hause, krank und trübe.

Doch da bist du entgegen mir gekommen,
Und ach! was da in deinem Aug' geschwommen,
Das war die süße, langgesuchte Liebe.“

Absolut Spitze, elfsibig jede Zeile, da fünf Jamben mit weiblicher Endung (Abschwung, elfte Silbe)

Ein gutes gelingen wünscht

Harald




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