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RE: Verlagsvorstellung

in Verlag Torsten Low 28.10.2010 16:33
von treogen | 1 Beitrag

Gut, dann nehme ich hiermit die Möglichkeit wahr, mich und meinen Verlag vorzustellen.

Zu meiner Person:
Mein Name ist Torsten, 35, verheiratet, seit kurzem eine Tochter.
Ich schreibe, seitdem ich schreiben kann - bzw. sogar noch früher. Meine erste Geschichte diktierte ich im zarten Alter von fünf Jahren meiner damals 14 Jahre alten Schwester. Seitdem ließ mich das Schreiben nie mehr ganz los. Meine erste Veröffentlichung hatte ich in einem Fanzine im Alter von 20 Jahren.
Zwar hatte ich es in der Zeit nach der Ausbildung stark zurückgefahren, dafür kam es mit unvermittelter Wucht wieder, als ich in Rahmen des Festnetzbrachen-Crash 2001/2002 feststellen musste, wie vermeintlich sichere Arbeitsplätze in einem vermeintlich krisensicheren deutschen Großkonzern plötzlich ohne Sinn und Versand vernichtet wurden.
Es sollte aber noch einige Jahre dauern, bis ich endlich sagte: So, das wird mein erster Roman. Dazwischen lagen unzählige Kurzgeschichten, die in einer Online-Zeitung für die Spieler eines Rollenspieles veröffentlicht wurden. Alle zehn Tage erschienen zwischen 3 und 10 Normseiten von mir - über einen Zeitraum von 3 Jahren.

2005 war es soweit, mein Roman war fertig und ich wollte ihn in den Händen halten.
An eine normale VÖ dachte ich gar nicht. Welcher Verlag will einen Fantasy-Vierteiler (mit offenem Ende bei Teil 1-3) von einem Neuling?
Ich hatte zu viele Horrorgeschichten gehört. Von immensen Summen, die der Autor zu zahlen hat, von Standardablehnungen bei den Großen (denn, so glaubte ich damals, die geben ja eher ihr Geld für Lizenzen aus, als einen deutschen Jungautor aufzubauen), von riesigen Manuskriptstapeln bei den Lektoren.
Die meisten Dienstleister waren mir zu teuer. Einzig BoD war akzeptabel (damals mit 399 Euro). Ich ließ mir ein Ansichtsexemplar kommen, welches prompt beim ersten Öffnen in 2 Hälften brach. Daraufhin strich ich auch den letzten Dienstleister von meiner Liste - wenn man so mit den eigenen Kunden bei der Kundenakquise umgeht, wie geht man dann erst mit meinen Kunden um.
Kurzerhand entschied ich mich zum Eigenverlag in der ursprünglichsten Form. Ich druckte es auf den heimischen Laserdrucker, verleimte es zu Buchblöcken und hängte es in Buchleinen ein - wofür hatte ich mal einen Buchbindekurs? Ich meine, ich wollte ja nur 2 Exemplare haben, für mich und für noch jemanden. Naja, und noch 4 als Bibliotheksexemplar - denn eine Einzel-ISBN gönnte ich mir in meiner Eitelkeit.
Ja, ich gebe zu, es war eine reine Eitelkeitsveröffentlichung Und?
Für mich war das Thema nach den ersten 6 Exemplaren abgeschlossen. Aber nicht so für andere. Plötzlich kamen Bestellungen. Und es wurden immer mehr.
Das war etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Als dann der 2. Teil rauskam, passierte etwas ganz unglaubliches: Ich wurde auf meine erste Lesung eingeladen. Ich meine - nicht, dass ich groß für mich geworben hatte. Dazu hatte ich das mit den handgebundenen Romanen langsam über.
Der erste Teil von Dunkel über Daingistan verkauft sich übrigens noch heute (5 Jahre nach dem Erscheinen) - nicht viel, aber es kommt immer wieder mal eine Bestellung rein.

Zu dem Zeitpunkt hatten wir dann entschieden, dass wir mit dem Verlag Größeres vorhatten. Wir (meine Frau und ich) saßen nach meiner ersten Lesung in Tübingen in einer kleinen Bar zusammen, schlürften Cocktails und formulierten unser Geschäftskonzept auf Bierdeckeln. Auf einem dieser Deckel war dann auch eine Rechnung, wie viele Exemplare weggehen müssen, bevor wir in der Gewinnzone waren. Und es war eine Rechnung dabei, wieviele Exemplare der Autor abnehmen sollte. Am Tag drauf schaute ich mir auf der Heimfahrt die Bierdeckel an - und verwarf die Idee mit dem Kostenzuschuß wieder. Wenn wir Bücher anderer Autoren verlegen, dann sollte das nur mit unserem Geld sein. Und damit es funktioniert, kann ich nur Bücher herausbringen, von denen ich zu mindestens 110 % überzeugt bin.

Dieses Konzept ist es dann auch, welches wir bis heute fahren. "Fair verlegen" heißt unser Motto - und ich denke, wir leben dieses Motto recht gut.
Autoren bezahlen bei uns keinen Cent.
Sie kriegen zwar keinen Vorschuß, aber Tantiemen.
Cover, Lektorat und Werbung sind Verlagsarbeit und Verlagskosten.
Und das Motto geht für uns noch weiter und umfasst alle Mitbeteiligten im Schaffensprozess - bis hin zur Druckerei.
Ich verkaufe deutschsprachige Bücher - also lassen wir auch in Deutschland drucken. Unser Beitrag zur Standortsicherung Deutschland (auch wenns nur ein kleiner Tropfen auf einen tüchtig heißen Stein ist).

Zum Verlag:
Seit 2008 haben wir uns vom Eigenverlag zum echten Klein(st)verlag für alles Phantastische gewandelt.
Wir verlegen Fantasy und Horror, Dark Fantasy und Okkultes, Humoriges mit phantastischen Einschlag sowie hoffentlich bald auch SF.
In unregelmäßigen Abständen starte ich Ausschreibungen für Anthologien. Seit diesem Jahr bringen wir auch Romane heraus.

Und wir sind nicht ganz erfolglos damit.
Unsere erste Anthologie "Lichtbringer" bekam den 4. Platz beim Deutschen Phantastik Preis 2009 für die beste Anthologie.
Unser Zweitling "Metamorphosen" machte gleich mehrfach von sich hören.
Beim Vincent-Preis 2010 bekamen wir Platz 2. fürs beste Cover, Platz 4 für die beste Anthologie und Platz 4 und 5. für die beste Kurzgeschichte. Nachschlag gabs dann beim Deutschen Phantastik Preis 2010: Platz 2 für die beste Antho und Platz 2 für die beste Kurzgeschichte.
Auch die Verkaufszahlen passen - so dass wir uns entschieden haben, eine "Auf den Spuren H.P.Lovecraft 2" nachzulegen - die Ausschreibung läuft übrigens noch bis Dezember und kann unter www.verlag-torsten-low.de eingesehen werden.
Mit den "Geschichten unter dem Weltenbaum" kam dieses Jahr eine sehr phantastische Anthologie auf den Markt, die mMn zu Unrecht wenig gekauft wird, finden sich hier doch wirklich tolle und teilweise auch sehr humorvolle Geschichten.
Dafür haben wir mit "Geisterhafte Grotesken" einen Renner abgeliefert - kein Wunder, sind doch neben absoluten Newcomern auch Bestsellerautoren wie Christoph Hardebusch, Wortkünstler wie Oliver Plaschka, Leserlieblinge wie Christoph Marzi und Tanya Carpenter darunter.

Vor etwas mehr als einem Monat erschien der Debütroman der Autorin Cecille Ravencraft. "Im Zentrum der Spirale" ist absolut nichts für schwache Nerven, es ist ein Trip in die dunkelsten Abgründe der menschlichen Psyche. Man muß vorsichtig sein, wie man es nennt: Eigentlich ist es ein Kannibalenroman, aber es ist meilenweit entfernt von dreckigen Schnetzelorgien a la TCM. Im Gegenteil, es hat die düstere Schönheit von Jack Ketchums "Evil", es ist eine einlullende Familienidylle ohne Happy End, ist auch ein romantischer Liebesroman mit einer verqueren Vorstellung von Zusammensein, ist schrullig und makaber, ist ein Faustschlag in den Magen und macht gleichzeitig süchtig auf die nächste Seite, das nächste Kapitel. Ist etwas absolut Einmaliges.
Ich gebe zu, dieses Buch ist etwas ganz Besonderes - und wer auf Horror steht, sollte einen Blick riskieren. Zumal zur Zeit gerade die Halloween-Edition angeboten wird - bestehend aus einem signierten Exemplar des Buches (signiert von der Autorin mit ihrem eigenen Blut), einem Tütchen Thymian (denn "Fleisch taugt nicht ohne Thymian") und einer "Bralocolin"-Pille, dem Mittel, mit dem die Moerfields ihre Opfer wehrlos machen (keine Panik, ist nur ein Traubenzuckerl).

Im November wird ein weiterer Roman erscheinen, diesmal von keinem ganz Unbekannten: Mara Laue bringt über den Verlag Torsten Low "Das Gesetz der Vampire" heraus. Wer hier allerdings eine Vampirschnulze erwartet, liegt sowas von daneben. Es ist ein Okkult-Krimi, der einen Blick in die Zivilisation der Vampire zuläßt. Denn eigentlich sind diese Menschen wie du und ich, nur dass sie halt Blut trinken. Ihre Polizei, die Wächter, sorgen dafür, dass keine Übergriffe auf die Menschen stattfinden, denn würden die Menschen erfahren, mit wem sie sich unsere Erde teilen, würden sie höchstwahrscheinlich einen heiligen Krieg gegen die Vampire zu beginnen. Doch es ist nicht alles so friedvoll, wie es scheint.
Ash, der ehemalige Vampirjäger, nun selbst ein Vampir, deckt eine Verschwörung auf, die das Ziel hat, die Wächter zu vernichten und die Herrschaft über die Menschen zu erlangen. Doch sind die Wächter wirklich noch zu retten?
Mara Laue ist keine Unbekannte. Sie schrieb bereits Romane für die Bastei-Serien "Schattenreich" und "Sternenfaust" und ist mir dort besonders als Autorin mit sehr guten Figurenzeichnungen aufgefallen. Auch hat sie sich mit der Sukkubus-Serie bereits einen Namen und Fans gemacht. Als sie sich mit diesem Konzept bei mir meldete, konnte ich nicht anders, als zugreifen. Mara schafft es, die Zivilisation der Vampire, der Hexen und der Dämonen so aufzubauen, dass man als Leser meint, sie könnten tatsächlich neben der unsrigen im Verborgenen existieren.
Und kommt nicht der nette Nachbar aus der Nr. 13 nur nach Sonnenuntergang aus dem Haus?

Ein weiterer Roman befindet sich bereits im Lektorat, über den werde ich aber erst dann was sagen, wenn es spruchreif ist. Nur soviel: es ist wieder ein bisher unveröffentlichter Jungautor oder besser -autorin. Und es geht wieder um Vampire. Und Stephenie soll sich warm anziehen ...


Noch ein letzten Abschnitt allein zum Thema Manuskripteinsendungen.
Also erstmal, ich suche eigentlich nicht direkt nach Autoren. Ich habe einen Stapel an ungelesenen Exposes und 20-seitigen Leseproben hier stehen, der ist mittlerweile einen Meter hoch. Und unser Programm ist quasi schon für 2011 voll. Das sollte jedoch trotzdem niemanden abrecken, mir etwas zuzusenden.
Aber - es kann eine ganze Weile dauern, bis ich mich auch nur zum ersten Mal zurückmelde. Mittlerweile gibt es Laufzeiten, die sind 6-9 Monate.
Und ich versende Standardabsagen - warum das so ist, kann man im Verlagsgeplauder nachlesen, Thema Abgelehnt!: http://verlorene-werke.blogspot.com/p/verlagsgeplauder.html
Ich möchte es altmodisch - Anschreiben, Expose, Vita, Leseprobe und das alles ausgedruckt und per Post zugesandt. Nicht per EMail. Komplette Manuskripte schau ich nur an, wenn ich sie auch angefordert habe, sonst landen sie im Reißwolf. Und EMails mit Anhängen, die ich nicht angefordert habe, landen in Deleted Items.
Auch zu dem Thema habe ich einen Blogbeitrag im Verlagsgeplauder, Thema: Wie mache ich es richtig?

Wer als Leser jetzt Lust auf unsere Bücher bekommen hat, sollte sich unter http://shop.verlag-torsten-low.de umschauen.
Und wer uns in Facebook followen möchte - http://www.facebook.com/home.php?#!/pages/Verlag-Torsten-Low/146130068759117
Ansonsten - bei Fragen steh ich hier zur Verfügung

[ Editiert von Moderator treogen am 28.10.10 16:44 ]

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#2

RE: Verlagsvorstellung

in Verlag Torsten Low 05.11.2010 21:35
von Unstern | 1.334 Beiträge

Ich bin übrigens Mit-Herausgeberin der Anthologie "Metamorphosen", die in Torstens Verlag erschienen ist. Mir gefällt die ehrlich Vorstellung, sich nicht größer zu machen, als man ist - und gleichzeitig bin ich aber aufgrund meiner bisherigen Erfahrung schwer beeindruckt, wie präsent der Verlag mit seinen Büchern ist. Dass ein Kleinverlag so viele Conventions, Märkte, Messen und sogar Musikfestivals besucht, kenne ich von niemandem sonst.

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